Julia
26. April 2022

100 Tage Weltreise – Entwicklungen unserer inneren Reise

100 Tage Weltreise

Wieder einmal möchte ich euch mitnehmen und euch darüber berichten, wie sich meine Einstellung innerhalb der ersten 100 Tage auf Weltreise verändert hat.

Für uns war von Beginn klar: Die (Welt)Reise ist der beste Weg, um neue Menschen, Kulturen, Lebensweisen und auch Länder kennenzulernen. Wobei viele Menschen denken, wenn wir von Weltreise sprechen, dass wir möglichst viele Länder in kurzer Zeit besuchen. Deshalb distanziere ich, genauer gesagt wir uns gerne von diesem Begriff. Für uns ist es vielmehr eine Langzeitreise, in der es darum geht, sich Zeit für zu nehmen und die oben genannten Aspekte zu erleben und erfahren.

Wir reisen im Innen- und im Außen

Der viel wichtigere Aspekt ist für uns beide, die Reise, die in uns stattfindet. Zu Reisen findet immer auf zwei Ebenen statt, die äußere Reise und die innere Reise. Mir wurde, dass auf der Reise immer bewusster.
Im Außen geht es um Orte, Menschen und Ereignisse.

Das Leben ist eine Reise und der Reisende lebt zweimal.
(Omar Khayyam)

Im inneren steht die Entwicklung der eigenen Sichtweisen und Gedanken. Wie entwickeln wir uns innerlich weiter, welche Erkenntnisse ziehen wir aus der Reise und gewinnen wir durch die Reise? Was hat sich verändert, wie definieren sich unsere neuen Ziele und Ansichten? Was ist uns wichtig und was verliert vielleicht während der Reise an Wert? Gerade über die innerliche Reise während dem Reisen und über die mentale Weiterentwicklung wird recht wenig geschrieben, weshalb ich versuche ein paar Impulse zu geben.

Eine Frage der Selbsterwartungen

Oft habe ich das Gefühl, dass, wenn wir von einer langen Reise sprechen, vorausgesetzt wird, dass wir das Maximale an Erlebnissen herausholen müssen. Einerseits entsteht dieser Gedanke auch durch unsere liebe Instagram bzw. Social-Media-Welt. Jetzt möchte ich in keiner Weise schlecht über Instagram reden, denn wir benutzen diese Plattform selbst und schätzen es. Dabei schätzen wir z. B. sehr, dass wir mit Menschen unkompliziert in Kontakt kommen.

Jedoch hatte sich gerade zum Anfang der Reise der Gedanke in uns hineingeschlichen, dass wir mithalten müssen. Möglichst viele neue und tolle Sachen zu posten. Eben das maximale Erlebnis herausholen. Schließlich haben wir Zuhause viel aufgegeben, um die Welt zu erkunden.
Für uns hat sich der Gedanke mithalten zu müssen zum Glück schnell gelegt. Eine wertvolle Erfahrung, die wir machen konnten und sicherlich hilfreich im Leben ist. Wir müssen nicht mit allen und jedem mitgehen. Es ist legitim, sein Leben zu leben und es ist legitim, unsere Weltreise so zu gestalten, wie wir das für richtig halten.

Die größten Enttäuschungen haben ihren Ursprung in zu großen Erwartungen. (Ernst Ferstl)

Das heißt im Umkehrschluss, dass es völlig in Ordnung ist auch mal Nein zu sagen. Auf die Weltreise bezogen bedeutet das, z. B. ein Ausflug weniger zu machen, weil uns an dem Tag eher nach Ruhe ist. Weil dein Körper dir signalisiert „Hey, ich brauch mal eine Pause“. Gerade ich bin vor der Reise im „Alltag“ oft über diese Grenze gegangen und habe im letzten Jahr dadurch viel über mich lernen können. Auf Reisen muss ich genau das umsetzen und versuche deshalb mehr auf meine „innere Stimmung“ zu hören. Für mich ist das nicht immer einfach, aber es wird immer besser.

Natürlich „verpassen“ wir die Natur oder ein schönes Erlebnis, aber was ist ein Erlebnis, welches wir nicht voll genießen können, weil wir vollgepackt mit Eindrücken sind und unser Ich uns eigentlich sagt „Mach mal Pause“.
Diese Erkenntnis ist mir auf der Weltreise einmal mehr bewusster geworden. Also wird es Zeit, damit aufzuhören und den ewigen Vergleichen hinterherzurennen.

Ist es nicht so, dass wir genau dies in unserem Alltag tun? Jeden Tag laufen wir zur Arbeit, sagen oft zu Dingen „Ja“ obwohl wir innerlich merken „Nein, ich will nicht“. Auch in anderen Alltagssituationen, um den anderen möglichst nicht zu verletzen, genauer gesagt, um der eigenen Angst vor einer Ablehnung aus dem Weg zu gehen. Doch dann schaffen wir es und nehmen uns eine Auszeit und packen diese wieder so voll, dass wir eigentlich keine Zeit haben, um sich mit sich selbst zu beschäftigen. Das ist doch ein Dilemma!

Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben. (Abraham Lincoln)

Unser Unterbewusstsein vermittelt uns, dass es wehtun kann, dich mit dir selbst zu beschäftigen. Diese Erfahrung durfte ich ebenfalls in der Zeit machen, in der ich an einer Depression litt. Es tat oftmals ziemlich weh und ich kann mich noch an den Satz erinnern, den ich in einer Sitzung zu meiner Therapeutin sagte: „Es fühlt sich so an, als ob du mir mein Herz herausgerissen hast.“ Das muss natürlich nicht immer so sein. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir oft vor uns selbst wegrennen, um den „Tatsachen“ nicht ins Auge schauen zu müssen.

Such dir ein sinnvolles Projekt, etwas, das „darüber steht“

So lieben wir es beide, an unserem Blog zu arbeiten und diesen liebevoll nach unseren Geschmack zu gestalten. Der Unterschied hier ist nämlich, dass wir an einem Projekt arbeiten, das uns beiden gehört, das wir gemeinsam erschaffen haben. Es fühlt sich nicht wie Arbeit an, manchmal sehnen wir uns sogar danach, einfach dazusitzen und gemeinsam einen „Brainstorm“ zu starten, was wir verbessern können oder welcher neuer Blogeintrag toll wäre.

Für mich ist das Schreiben eine Art „Auszeit“ um das erlebte und die Gedanken, die mir kommen niederzuschreiben. Für mich verarbeite ich die Reise und das Erlebte. Wir lieben es auch auf Reisen produktiv zu sein und uns Zeit für uns zu nehmen. Das bedeutet auch, dass sich jeder Zeit für sich nimmt, und wir auch getrennt Dingen nachgehen.

Eines steht für uns heute schon fest, selbst nach unserer Reise wird dieser Blog weiter bestehen. Wir möchten mehr über die innere Reise berichten und haben auch schon die ein oder andere neue Idee 😗

Finde deine Heimat

Eine weitere Erkenntnis, die mir gerade in den letzten 2 Wochen bewusst geworden ist: Ich liebe meine Heimat!
das ich das jemals schreiben würde, hätte ich nicht gedacht, den eigentlich war ich diejenige, die möglichst lange unterwegs sein wollte und meine Heimat nie als dessen wahrgenommen habe.

Ich dachte immer, es ist egal, wo ich lebe. Niemals hätte ich gedacht, dass uns so viele Menschen so nah ans Herz wachsen und dass wir tatsächlich auch wieder sehnsüchtig Zuhause erwartet werden. Das hat sicherlich mit meiner Vergangenheit zu tun. Früher in der Schule, wurde ich oft gemobbt und das hat mir das Gefühl gegeben, nie genug zu sein. Ich war nie ich selbst, habe mich immer verstellt, um den anderen gerecht zu werden. Daher ist es für mich schwierig, gerade wenn ich neue Kontakte knüpfe, diese auch als „echt“ anzusehen. Mit „echt“ meine ich, dass die Person ein wirkliches Interesse an mir hat.

Die perfekte Reise ist kreisförmig. Die Freude zu gehen, die Freude zurückzukehren.
(Dino Basili)

Umso dankbarer bin ich, dass die Reise mir gezeigt hat, dass es da draußen Menschen gibt, die mich zu 100 % so nehmen wie ich bin und zu uns halten. Eine so intensive Dankbarkeit und Erkenntnis, die ich nicht mehr verlieren möchte. Wir beide haben das Gefühl, dass sich durch die Reise die Freundschaft eher verstärkt hat. Wir fühlen uns selbst und trotz der Ferne immer mit eingeschlossen und Einteil dessen. Zu Hause zu sein oder „Heimat“ ist also sowohl auch eine (wichtige) Frage des Ortes.

Gemeinsames Wachstum – Zeit nur für uns

Beide freuen wir uns, dass wir so viele gemeinsame Momente miteinander erleben dürfen und gemeinsam die innerliche Reise erleben im Austausch wahrnehmen. Wir merken, dass uns die Zeit zusammen schweißt und wir beide dieselbe Richtung anstreben. Wir wachsen zusammen, möchten den anderen nicht verbessern, wir respektieren uns und nehmen die Gefühle des anderen an. Gerade auf Reisen ist das so wichtig, den das zeigt uns, dass wir einander zu 100 %vertrauen können und wir auch in schwierigen Situationen zusammen funktionieren. Ein wertvolles Privileg, was nicht jedes Paar oder jeder Mensch erfahren darf. Wie wunderbar ist das 🙂

Geld ist nicht alles!

Eine weitere Erkenntnis, die uns nach dem zweiten Land, also nach 8 Wochen bewusst geworden ist:
Am Anfang der Reise versuchten wir so günstig wie möglich zu reisen, um in unserem Budget zu bleiben. Schnell merkten wir jedoch, dass wir uns was vormachten. Auf Instagram und Co, geht es oft ums Budget. Wie kannst du möglichst günstig die Welt sehen, welches sind die günstigsten Länder? Versteht mich auch hier nicht falsch, natürlich müssen wir unsere Finanzen im Blick haben und können uns nicht die teuersten Unterkünfte leisten. So eine Langzeitreise werden wir aber wahrscheinlich nicht noch einmal machen, soll ich deshalb ein Land auslassen nur, weil es teuer ist und ein günstiges Land besuchen, was mich vielleicht weniger interessiert?

Natürlich kannst du positiv überrascht werden, vielleicht ist es aber auch sinnvoll eine neue Perspektive einzunehmen. Deshalb sitzen wir gerade in den USA und werden dann für 3 Monate nach Australien gehen. Wir erfüllen uns den Traum eines dreimonatigen Roadtrips und kommen dann eben lieber früher als geplant nach Hause. Die Entscheidung hat uns viel Druck herausgenommen. Wir merken, dass gerade auch die Unterkunft oder eine ausgewogene Ernährung eine große Rolle spielen und zum Wohlbefinden beiträgt. Wir distanzieren uns also von dem übertriebenen „Low-Budget“ und versuchen für uns, das beste Erlebnis herauszuholen und wieder einmal auf unsere Stimme zu hören.

Sei Dankbar, jeden Tag!

Wir erleben viel auf Reisen und sind unfassbar dankbar, dass wir den Sprung in die Welt geschafft haben. Ich habe dank der Reise das Schreiben für mich entdeckt, habe Zeit mir Gedanken zu machen, was ich später beruflich machen möchte. Nach 3 Monaten fügt sich ein kleiner Weg und auch wenn dieser noch viele Abzweigungen zu bieten hat, fühlt es sich richtig an.

Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind. (Francis Bacon)

Ich merke, dass ich beruflich unbedingt wieder mit Menschen arbeiten möchte und meine Leidenschaft Sport ausüben möchte. Ich spüre, dass ich in Fulda und der Rhön meine Heimat habe. Dort sind all die lieben Menschen, die mich lieben, so wie ich bin. Weil ich bin. Ohne diese Reise wäre mir das nie so bewusst geworden. Also hey, Danke dafür 😅

Fazit – 100 Tage Weltreise – meine wichtigsten Erkenntnisse:

  • Ich bin gut so, wie ich bin und muss nicht mit anderen mithalten
  • Wir definieren unsere Reise und gestalten diese nach unseren Bedürfnissen und Wünschen. Wir müssen niemandem etwas beweisen
  • Freunde und Familie, sind das größte Geschenk
  • Heimat — hat einen viel größeren Stellenwert. Ich habe das Gefühl „anzukommen“
  • Sich auf Reisen Ruhe zu gönnen und nicht denselben „Trott“ wie zu Hause nachlaufen, ist der Weg aus dem Dilemma. Reisen kann sehr stressig sein, das haben wir im Alltag zu Hause schon oft genug.
  • Dem Partner Zeit zu schenken, gehört zu den wertvollsten Geschenken, die du machen kannst
  • Billig zu jedem Preis reisen, ist nicht nur anstrengend, sondern oft auch nicht besser als andersherum

 

Noch mehr Themen über unsere mentalen Entwicklungen findest du im Reisejournal.

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