Stefan
26. Juni 2022

Alltag auf Reisen und was Alltag für mich ist

Normalerweise wird Alltag und Reisen ja nicht in Verbindung gebracht. Denn ein Urlaub soll ja genau das Gegenteil sein, ein Ausgleich und in gewisser Hinsicht ein Ausbruch aus dem Alltag. Warum Alltag und Reisen, genauer gesagt Langzeitreisen eine überraschende Zusammengehörigkeit haben und was du davon für deinen Alltag Zuhause mitnehmen kannst, beschreibe ich dir folgend.

Alltag – der Versuch einer Definition

Alltag, was bedeutet das? Hier zerbrechen sich seit Jahrzehnten Soziologen, Philosophen und Psychologen den Kopf drüber und es gibt diverse Ansichten von den verschiedensten klugen Köpfen. Interessant finde ich ein Teil der Sichtweise von Pierre Félix Bourdieux (war ein Französicher Soziologe).

„Die Individuen besitzen unterschiedlich viele Potenziale verschiedener Art, die sie einsetzen und teilweise transformieren können. Er wies — alltägliche Beobachtungen einbringend — nach, dass Feinheiten der Sprache wie Akzent, Grammatik, Aussprache und Stil einen wesentlichen Faktor in der sozialen Mobilität (z. B. beim Erwerb eines besser bezahlten und höher bewerteten Berufs) darstellen.“ (Wikipedia)

Demnach sind die persönlichen Ressourcen und Potenziale im täglichen Leben tragend, aber sehr wohl unterbewusst in unserer gesellschaftlichen Wahrnehmung.

Eine andere und wohl gebräuchlichere Ansicht ist die, dass Handlungen und Prozesse sich über Raum und Zeit erstrecken und so den Alltag maßgeblich formen. Alltag ist also ein Begriff für etwas Generelles oder einfacher ausgedrückt:

Alltag ist das, was du aus deiner zur Verfügung stehenden Zeit und dir selbst machst

 

Als ich das begriffen hatte, konnte ich mich auch von dem negativ konnotierten Wort „Alltag“ entfernen und es als eine Art zeitlichen Horizont akzeptieren. Es spielt also keine Rolle, ob ich mich seit 20 Jahren im selben Wohnort befinde, oder seit Monaten auf einer Reise durch die Welt befinde. Schön – und nun? Und genau hier fangen eigentlich die „Probleme“ mit dem „Alltag“ an.

Denn was uns fehlt, ist nicht die Kraft den Alltag zu bewältigen, sondern die Zeit herauszufinden, wer wir seien wollen und wohin wir gehen.

Alltag ist so gesehen die Reise selbst. Eine wichtige Erkenntnis, die das wirkliche Reisen um eine große Portion erleichtert.

Alltag auf Reisen und warum dahinter auch nur Routinen stecken

24 Stunden hat ein Tag, das sind 1440 Minuten. Alltag besteht also aus 1440 Minuten, oder eben aus das, was du damit anstellst. Auf Reisen ist diese Zeit meist noch relativer, als Zuhause. Wir sind bereits durch einige Länder gekommen und in jedem Land spielen diese 1440 Minuten eine andere Rolle. Nicht nur, weil die Tageslänge unterschiedlich ist, oder die Zeitverschiebung dazu beiträgt.
Jeder Grenzübertritt braucht eine Zeit der Eingewöhnung, somit ist es nicht immer leicht, einen „Alltag aufzubauen“.

Doch wir wären nicht Menschen, wenn wir eine Sache nicht ganz besonders gut könnten: Anpassung und Routinen!
Genau das passiert im Alltag, Zuhause und auf Reisen, sobald wir ein paar Tage der Orientierung hinter uns gebracht haben und wissen, wie der Hase läuft, beginnen wir gewisse Strukturen und Routinen zu pflegen.

 

Das sind Routinen, die uns helfen, das richtige Maß zu finden. So zum Beispiel beginnen wir den Morgen immer mit einem guten Kaffee, völlig egal, wo wir sind. Wir machen regelmäßig unseren Sport, für unsere Reise haben wir dafür einen unabhängigen Sport gewählt, sodass wir keine Geräte oder dergleichen benötigen.
Auch dieser Blog hier ist in gewisser Hinsicht eine Routine, ihn technisch und inhaltlich zu pflegen bedarf viel Zeit, Zeit, die wir uns nehmen und so Beständigkeit aufbauen.

Routinen sind auch auf Reisen ein wunderbares Mittel der Natur, gut durch die Zeit zu kommen. Entscheidend für ein gutes Gefühl damit, ist es, die guten Routinen zu pflegen. Gut sind all diese Muster, die dich erhalten oder besser noch, weiterbringen. Hier ein paar Beispiele:

  • Sport (Unser Körper hat eine direkte Verbindung zu unserem Geist, deine Muskeln wollen beansprucht werden)
  • Spaziergänge oder ausgedehnte Wanderungen (perfekt, um Land und Leute um dich herum zu erkunden)
  • Etwas neues Lernen (wir machen trotz Reisen Weiterbildungen und wir vertiefen unser Wissen)
  • Lesen (Julia lässt sich gern in „andere Welten“ ziehen und steigert damit ihre Fantasie und Kreativität)
  • Yoga / Mediationen / oder einfach mal bewusst durchatmen und die Umgebung beobachten (deshalb sind wir ja auf Reisen)
  • Kleine Herausforderungen (neue Routinen lassen sich am besten mit kleinen Wettbewerben angehen)
  • Schlafen (gerade ausreichend Schlaf, kommt fast immer zu kurz – „take a nap” 🙂 )

 

Du siehst, mit all diesen Dingen ist eine Reise und die 1440 Minuten doch ziemlich schnell ausgefüllt.

Raus aus dem Alltag, nimm dir Zeit für dich selbst

Jetzt, wo du ein paar dieser Aspekte weißt, ist die wichtigste Frage noch offen: Fühlt sich dein Alltag überwiegend negativ oder positiv an?
Meine wichtigste Erkenntnis aus unserer bisherigen Zeit durch Welt ist die der Selbstliebe. Ich liebe mich selbst, mit meinen Schwächen und Stärken. Insbesondere durch das Reisen ergeben sich Situationen, die nicht immer cool sind und die dich selbst zweifeln lassen. Lebensumstände, wo du gegen deinen inneren Schweinehund stehst oder an der Grenze deiner Fähigkeiten bist.

 

Erst, als ich das verinnerlicht hatte, machte ich mich frei von falschen Erwartungen. Denn Routinen, Zeit und letztlich der Alltag besteht aus vielen komplexen Faktoren, doch dein Umgang damit sollte wohlwollend, positiv und proaktiv sein.

Auch wenn du gerade nicht auf Weltreise bist und dich Zuhause „gefangen“ fühlst. Der Alltag dich zerfrisst, oder du verzweifelt bist – Gib dir einen Moment der Stille und schaue dann auf deine Selbstwirkung. Suche dir zunächst etwas Kleines, was du gezielt anders machen möchtest und gestalte so dein neues Ich. Jeden Tag ein wenig, bis du ein ganz neuen „Alltag“ leben darfst.

Ich hoffe, ich konnte dir damit unseren Alltag auf Reisen etwas näher bringen.  Vielleicht konnte ich dich sogar ein wenig bestärken, deinen Alltag positiver zu sehen oder zu machen.

 

Liebe Grüße,

Stefan

 

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